5.)  Unzufrieden mit Vertreter – nichts wie we(g) -chseln!

Um eines vorwegzunehmen: Ich bin heilfroh und immer wieder sehr dankbar, einen so tüchtigen und netten Vertreter wie meinen geschätzten Kollegen Harald Harnack aus Aschaffenburg zu haben! Er entlastet mich alle 2 Wochen für einen Vormittag, bei Urlaub oder Krankheit, und gibt Ihnen (gerade in Akutfällen) die Möglichkeit, einen kompetenten Ansprechpartner in der Praxis zu finden, auch wenn ich selbst nicht anwesend sein kann.

Unterschiedliche Menschen sind aber auch unterschiedliche Persönlichkeiten, und so liegt es in der Natur der Sache, dass die eine oder andere von Ihnen auch mit ihm oder mit mir besser zurechtkommen wird.

Es ist mehr als unfair, wie erst kürzlich wieder geschehen, wenn eine Patientin nach einer Unstimmigkeit mit meinem Vertreter (nicht mit mir!) einfach Knall auf Fall den Arzt wechselt, ohne erst mich angesprochen oder zumindest bei meiner Helferin um einen Folgetermin bei mir persönlich gebeten zu haben. Diese Möglichkeit hätte ihr in jedem Fall offengestanden. Einige neue Patientinnen hatten auch schon den Ersttermin bei Herrn Harnack, waren aus irgendeinem Grund unzufrieden und kamen zu mir erst gar nicht, ohne mir auch nur im Ansatz die Chance einer Klärung zu geben.

Um es auf den Punkt zu bringen:

Wer von mir behandelt werden möchte, der behandelt auch mich – und zwar mit Respekt!

Wer hierzu nicht bereit ist, und insbesondere, wer einen Arzt nur als beliebig austauschbaren Leistungserbringer betrachtet, der ihm etwas schuldet, nach dem Motto „der lebt ja von  meinem Geld“, “ ich habe ja schließlich Beiträge bezahlt“ usw., der hat die Essenz einer Arzt-Patienten-Beziehung nicht verstanden und wird wahrscheinlich in meiner Praxis ohnehin nicht glücklich werden. So jemand darf gerne von seiner freien Arztwahl Gebrauch machen und sich einen anderen passenden Arzt suchen.

Alle anderen, die meine Arbeit zu schätzen wissen und sich vielleicht sogar ganz bewußt für meine Praxis entschieden haben, weil ihnen meine Behandlungsweise zusagt, bitte ich noch einmal, eine eventuelle Unstimmigkeit immer dort anzusprechen, wo sie entstanden ist:    Waren Sie mit meiner Behandlung, aus welchem Grund auch immer, nicht einverstanden, sprechen Sie bitte mich darauf an! Waren Sie bei meinem Vertreter mit etwas nicht zufrieden, sprechen Sie ihn darauf an, bei meiner Mitarbeiterin handhaben Sie es bitte ebenso.

Wenn jemand den Mut dazu hatte, habe ich es (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen) noch NIE erlebt, dass wir keine für beide Seiten befriedigende Lösung gefunden hätten. Sie haben immer die Möglichkeit, um einen Termin bei mir persönlich zu bitten (wenn Sie ausschließlich zu meinem Vetreter möchten, ist dies organisatorisch etwas schwierig, da er nicht so oft in der Praxis ist).

6. Als Schwangere mitten im Quartal den Arzt wechseln

Gelegentlich kommt es vor, dass eine Schwangere aus einer anderen Praxis künftig zu uns kommen möchte. Das Recht auf freie Arztwahl ist unbestritten, allerdings sollte es mit Bedacht ausgeübt werden. Ohne gravierenden Grund (wie massivem Vertrauensverlust, der durch ein Gespräch (!) nicht behoben werden kann, Umzug, Erkrankung, die weit entfernte stationäre Behandlung erfordert o.ä.) sollte niemand plötzlich im Laufe einer Schwangerschaft einfach den Arzt wechseln.

Wer dies tut, sollte aus Fairness dem Arzt gegenüber wenigstens den Beginn eines neuen Quartals abwarten. Zumindest gebietet es der Anstand, wahrheitsgemäß anzugeben, wenn im selben Quartal bereits zuvor ein anderer Frauenarzt aufgesucht wurde.

Die Betreuungspauschale für die Schwangerschaft kann in einem Quartal nur ein Arzt gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen – sein nachbehandelnder Kollege geht leer aus! Und erfährt dies möglicherweise erst ein Quartal später, wenn die Schwangere längst entbunden ist.

Bevor mir jetzt der Vorwurf angeblicher „Geldgier“ gemacht wird (den ich entschieden zurückweise!), muss ich darauf aufmerksam machen, dass ein niedergelassener Arzt nicht zuletzt Unternehmer ist, der seine laufenden Kosten hat und wirtschaftliche Aspekte bei seiner Tätigkeit nicht völlig außer acht lassen kann. Auch wenn sie nicht im Vordergrund stehen – Patientenwohl kann nur eine wirtschaftlich gesunde Praxis sicherstellen!

Von der (theoretisch bestehenden) Option, einer Schwangeren, die mitten im Quartal die Praxis wechselt, eine Privatrechnung zu stellen, möchte ich nach Möglichkeit keinen Gebrauch machen. Das setzt aber voraus, dass Schwangere, die aus zwingendem Grund für sich nur die Wahl gesehen haben, mitten im Quartal die Praxis zu wechseln, mich darüber ehrlich und wahrheitsgemäß informieren. Dann können wir eine einvernehmliche Lösung suchen. Bewusst falsche Angaben, die eine Honorarkürzung für mich nach sie ziehen, betrachte ich als Vertrauensbruch, der bei wiederholtem Fehlverhalten der betreffenden Patientin eine Ablehnung weiterer Behandlung nach sich ziehen kann.