Bereits zum zweiten Mal – früh erkannter Gebärmutterkrebs dank Ultraschall!

Eines der typischen Frühsymptome bei Krebs der Gebärmutterschleimhaut (mit Fachausdruck „Endometriumkarzinom“ genannt) ist die Blutung nach den Wechseljahren. Sie ist immer klärungsbedürftig, wenn bei einer Frau nach dem 50. Lebensjahr die Menopause über ein Jahr zurückliegt.

Nicht in allen Fällen müssen jedoch Blutungen auftreten! Kürzlich suchte mich eine Frau Mitte 50 zur Krebsvorsorge auf. Sie war beschwerdefrei, entschied sich jedoch für einen vorbeugenden vaginalen Ultraschall. Dieser zeigte eine so auffällig hoch aufgebaute Gebärmutterschleimhaut, dass ich ihr zur Ausschabung (Abrasio) riet. Volltreffer – der Pathologe schrieb die Diagnose Endometriumkarzinom, so dass ich die Patientin natürlich zu einer Totaloperation ins Krankenhaus einweisen musste. Erfreulicherweise handelte es sich um ein so frühes Tumorstadium (begrenzt auf die Gebärmutterschleimhaut, ohne invasives Wachstum in tiefere Gewebeschichten), dass weder Nachbestrahlung noch Chemotherapie erforderlich waren.

Es ist bereits mein zweiter Fall dieser Art nach 2013. Auch damals konnte ich bei einer Frau Ende 50 dank Ultraschall rechtzeitig eine Operation veranlassen, wobei auch hier die Patientin keine Blutungen hatte.

Von Experten, Fachgesellschaften, Krankenkassen und Medien wird oft argumentiert, es gäbe keine entsprechenden Studien, die nachgewiesen hätten, dass bei regelmäßigem Ultraschall mehr Krebserkrankungen der Gebärmutter oder der Eierstöcke erkannt würden und insgesamt bessere Überlebenschancen bestünden als bei der normalen Vorsorge. Dies ist auch grundsätzlich richtig. Speziell beim Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom), der durch seine uncharakteristischen Beschwerden oft erst diagnostiziert wird, wenn sich die Erkrankung bereits diffus in der Bauchhöhle ausgebreitet hat, ist eine effektive Vorsorge nicht möglich. Dies hat auch kein mir bekannter seriöser Gynäkologe je behauptet!

Tatsache ist jedoch, und dies werden alle Kolleginnen und Kollegen meines Fachgebietes bestätigen, dass nicht jeder auffällige Befund im Becken durch Tasten erkannt werden kann. Besonders bei übergewichtigen Frauen oder starker Anspannung der Bauchdecken kann das Tasten schwierig bis unmöglich sein. Wenn ein auffälliger Tastbefund abzuklären ist, muss Ultraschall durchgeführt werden, und dies wird dann selbstverständlich über die Krankenkasse abgerechnet. Bei unauffälligem Tastbefund schließt der Ultraschall eine diagnostische Lücke, die sich im Einzelfall (über den keine Studie etwas aussagen kann!) als lebensrettend erweisen kann.

 

Mehrere Fälle von Brustkrebs habe ich im Laufe meiner zwölfjährigen Praxistätigkeit durch Ultraschall entdeckt, ebenso mehrere Fehlbildungen in der Frühschwangerschaft. Darunter war eine Trisomie 21 (auch als Down-Syndrom oder Mongolismus bekannt), die bei einem zusätzlichen Ultraschall in der 14. Schwangerschaftswoche durch eine starke Abhebung der kindlichen Nackenhaut (Nackenhygrom) auffiel. Der in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehene Ultraschall zwischen der 9. und 12. Woche war komplett unauffällig!

Nach diesen Erfahrungen ärgert es mich zunehmend, wenn immer noch Presseberichte uns unterstellen, wir würden IGEL-Leistungen nur aus eigenem Gewinninteresse anbieten. Dass eine Arztpraxis nicht komplett ohne eigenes wirtschaftliches Interesse geführt werden kann, dürfte selbstverständlich sein (wer das Gegenteil behauptet, hat dies Grundlagen unseres Wirtschaftssystems nicht verstanden). Es wurden und werden unter dem Stichwort „IGEL“ in manchen Praxen sicher auch unseriöse Angebote gemacht – wobei für mich „unseriös“ etwas ist, das keinen Gegenwert für die Patientin hat. Dies gilt definitiv nicht für den Ultraschall!

Die einzige Kehrseite der Medaille ist hierbei, dass immer wieder kleine, harmlose Befunde (Myome, Eierstockzysten, kleine Zysten der Brust o.ä.) aufgedeckt werden, die die Patientin verunsichern und weitere Kontrollen nach sich ziehen können. Moderner, hoch auflösender Ultraschall hört eben sprichwörtlich „die Flöhe husten“!

Nach den geschilderten Erfahrungen werde ich in meiner Praxis weiterhin moderne Ultraschalldiagnostik als Zusatz zur gesetzlichen Vorsorge anbieten. Jede Patientin kann (und muss) in eigener Verantwortung selbst entscheiden, ob sie diese in Anspruch nehmen möchte. Unterstellungen, man werde dazu gedrängt oder von mir „heftig kritisiert“ (s. Beitrag „Problematisches Patientenverhalten. Exkurs Jameda“), weise ich entschieden zurück!

Nähere Informationen zu diesem wichtigen Thema habe ich auch auf meinem Blogbeitrag „Ein offenes Wort zum Thema IGeL-Leistungen“ veröffentlicht.